Sammlungsgeschichte | Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung

Sammlungsgeschichte

Auf der Suche nach einer verlorenen Sammlung

Die Kunstsammlung des Stadtmuseums in Dresden besaß bis zum Jahr 1933 einen hervorragenden Bestand an zeitgenössischer Kunst. Vor allem Paul Ferdinand Schmidt war es in seiner Amtszeit als Direktor des Museums durch engagierte Ankäufe gelungen, eine Sammlung von hohem Niveau zusammenzutragen. Exemplarische Werke der wichtigen künstlerischen Strömungen des frühen 20. Jahr­hunderts waren hervorragend vertreten.

Das berühmte Gemälde „Schützengraben“ von Otto Dix gehörte ebenso zum Bestand, wie Werke von George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, Conrad Felixmüller, Karl Schmidt-Rottluff, Lasar Segall, Otto Lange oder Christoph Voll.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten besiegelte das Schicksal dieser Sammlung. Bereits im Juni 1933 fasste man in Dresden den Entschluss, eine Ausstellung unter dem Titel „Entartete Kunst“ zu veranstalten. Eine große Anzahl von Kunstwerken wurde zu diesem Zweck aus dem Bestand des Stadtmuseums Dresden beschlagnahmt. Schon kurze Zeit danach wurde die Femeschau am 23. September im Lichthof des Dresdner Rathauses eröffnet. Anschließend war die Dresdner Ausstellung auch in anderen Orten Deutschlands zu sehen. Die Mehrzahl der in Dresden beschlagnahmten Kunstwerke wurde im Sommer 1937 in die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ integriert – 48 Gemälde, 40 Grafiken und 6 Skulpturen stammten aus dem Dresdner Stadtmuseum. Darüber hinaus wurden noch weitere Werke aus dem Kunstbestand des Stadtmuseums beschlagnahmt und direkt nach Berlin gebracht.

In der Folge verlieren sich die Wege der Kunstwerke im Ungewissen, die meisten von ihnen gelten noch heute als verschollen. Nur von wenigen Werken aus dieser Dresdner Sammlung wissen wir, in welche Galerien und Museen sie gelangten. So ist zum Beispiel das Gemälde „Die ewigen Wanderer“ von Lasar Segall heute im Museu Lasar Segall in São Paulo zu sehen und „Die Heiden“ von Oskar Kokoschka gelangte mit der Sammlung Haubrich in das Museum Ludwig in Köln. All diese verschlungenen Wege der Bilder, ihre Biografien, dokumentieren ein wichtiges Stück Zeitgeschichte.

Aus diesem Grund entstand kurz nach der Gründung der Städtischen Galerie Dresden das Projekt der Provenienzforschung zu dem verschollenen Kunstbestand aus dem Dresdner Stadtmuseum. Unser Ziel ist es, die Stationen der beschlagnahmten Kunstwerke zu dokumentieren. Wir suchen von den vielen verschollenen Kunstwerken nach einem „Lebenszeichen“, nach ihrem heutigen Standort, sei es ein Museum oder eine private Sammlung. Wenn die Arbeit unseres Projektes Erfolg hat, dann können hoffentlich von weiteren Gemälden, Plastiken oder Grafiken die heutigen Standorte in die Werkverzeichnisse aufgenommen werden. Diese Werke erhielten dann nach mehr als einem halben Jahrhundert für die Kunstwissenschaft ihre Existenz zurück.

Deshalb finden Sie auf dieser Seite eine Auswahl bedeutender Kunstwerke aus dem Bestand des Dresdner Stadtmuseums, die seit 1933 als verschollen gelten. Wir sind für alle Hinweise zu diesen Werken dankbar.

Verlustliste

Liste der Verluste aus den Städtischen Sammlungen Dresden durch Beschlagnahme im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ 1937

Wilhelm Heckrott (1890–1964)

Rinder, um 1925

Ölgemälde, 74 x 90 cm, Ankauf 1926, Inv.-Nr. 26/116, Verbleib unbekannt